Hellwegschule

 

 

 

Entwicklung einer Streitkultur

 

Das Bensberger Mediations-Modell „Kinder lösen Konflikte selbst! Mediation in der Grundschule“ stellt die Grundlage für die Entwicklung einer Streitkultur an dieser Schule dar.

 

Das Modell

 

Der Grundgedanke des Bensberger Mediations-Modells ist es, die Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken und ihnen eine andere Möglichkeit im Umgang mit Konfliktsituationen aufzuzeigen. Damit wird eine Voraussetzung geschaffen, die den Kindern dabei helfen soll eine möglichst selbständige Lösung für ihre Streitereien zu finden. Hilfestellung geben sollen dabei sogenannte Streitschlichter, die im Rahmen einer AG Handwerkszeug erlernt haben, um zwischen den Kontrahenten zu vermitteln.

 

Zieldarstellung

 

Ziele des Modells

Es gibt keine Gewinner und Verlierer. Nicht der Schuldige wird gesucht, sondern eine Win-Win- Situation soll erarbeitet werden.

d.h.     • jeder gewinnt bei der Streitschlichtung 
            • jeder stellt die Situation und seine Gefühle dar
            • jeder versucht den anderen zu verstehen
Es soll nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden, die beide Streitenden zufriedenstellt und den Konflikt damit längerfristig beendet.

 

Ziele einer Streitkultur an der Schule

Nicht nur die Ausbildung von Streitschlichtern, sondern auch die Förderung einer Streit- und Gesprächskultur soll im Vordergrund stehen.

Dabei spielt die Entwicklung von Fertigkeiten in Bezug auf Kommunikation, kritisches Denken und Empathie eine übergeordnete Rolle. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Bereichen erlernen alle Beteiligten des Schullebens ein Handwerkszeug zur Konfliktschlichtung kennen, die das Schulleben durch eine Minderung von Spannungen und Feindseligkeiten verbessern soll. Dadurch werden zum einen die Schüler-Schüler- und Schüler-Lehrer-Beziehungen und zum anderen die gesamte Schulgemeinschaft gestärkt.

 

Rahmenbedingungen

 

Die Klassenlehrer führen im Verlauf des Schuljahres viermal ein Training des Klassenprogramms durch:

 

·        1x zwischen Sommer- und Herbstferien

·        1x zwischen Herbst- und Weihnachtsferien

·        1x zwischen Weihnachts- und Osterferien

·        1x zwischen Oster- und Sommerferien

 

Die Durchführung wird für alle Klassenstufen vorgegeben.

           

Training des Klassenprogramms zur Streitschlichtung

           

Das Klassenprogramm ist in folgende Übungsschritte unterteilt:

 

Übungsschritt 1: Regeln und Rituale festlegen

Den Schülerinnen und Schüler werden die drei Grundregeln der Streitschlichtung vorgestellt bzw. diese werden wiederholt.

Übungsschritt 2: Streitgeschichte einprägen

Eine Streitgeschichte wird erzählt und mit einem Bild (Folie) veranschaulicht. Übungsschritt

2.1: Streitanteile nennen

Nun werden die jeweiligen Streitanteile erarbeitet.

Übungsschritt 2.2: Rollen übernehmen

In Partnerarbeit übernehmen die Schülerinnen und Schüler jeweils einen Streitanteil und finden sich in ihre Rolle ein.

Übungsschritt 2.3: In der Ich-Form erzählen

In ihrer Rolle erzählen die Schülerinnen und Schüler nun, was sie als… erlebt haben. Der Satzanfang „Ich als… habe erlebt, dass…“ wird von der Lehrkraft vorgegeben.

Übungsschritt 3: Gefühle ausdrücken

Die Schülerinnen und Schüler berichten worüber sie sich in ihrer Rolle geärgert haben. Der Satzanfang „Ich habe mich geärgert, dass du…“ wird von der Lehrkraft vorgegeben.

Übungsschritt 3.1: Anteile nennen

Nun sollen die Schülerinnen und Schüler in ihrer Rolle sagen, was sie selbst getan haben. Der Satzanfang „Ich als… habe…“ wird von der Lehrkraft vorgegeben.

Übungsschritt 5: Lösungen suchen (mündlich/schriftlich)

An dieser Stelle sollen die Schülerinnen und Schüler Lösungen für ihre Streitigkeit suchen. Dafür sollen sie zum einen darüber nachdenken, was sie vom anderen erwarten und zum anderen darüber nachdenken, was sie selbst für den anderen tun wollen, um den Streit beizulegen. Im ersten Schuljahr erfolgt dies nur mündlich. In den höheren Jahrgangsstufen werden verschiedenfarbige Karten zur Verfügung gestellt, welche mit folgenden Satzanfängen versehen sind:

1.     „Ich bin bereit….“ (blaue Karten)

2.     „Ich erwarte…“ (gelbe Karten)

Hier sollen die Schülerinnen und Schüler Lösungsvorschläge notieren.

Übungsschritt 6: Lösungen finden

Einige Kinder stellen ihre Ideen vor. Gemeinsam mit der Klasse wird überlegt, auf welche Lösungen die Kinder sich einigen können.

 

Vor Beginn des Klassenprogramms werden eine frei erfundene Streitgeschichte, die drei Regeln und das dazugehörige Material in alle Klassen gegeben. Anhand dieser Geschichte werden die einzelnen Schritte der Streitschlichtung entsprechend dem Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler erarbeitet:

                                              

→ 1./2. Schuljahr: bis einschließlich Übungsschritt 3

            → 3./4. Schuljahr: das komplette Programm


Die Schüler lernen durch das Klassenprogramm den Ablauf der „großen Streitschlichtung“ kennen.  Diese Schlichtung wird genutzt, wenn ein Streit nicht von den Streitschlichtern in der Pause geklärt werden kann. Die Streitenden werden in diesem Fall in die Streitschlichtersprechstunde eingeladen. Dort führt eine betreuende Lehrkraft die „große Streitschlichtung“ mit Hilfe der Friedensbrücke durch. Dabei werden die erlernten Übungsschritte aus dem Klassenprogramm berücksichtigt.

           

Streitschlichter-AG

 

Mit der Ausbildung der Streitschlichter wird im 2. Halbjahr des 3. Schuljahres begonnen. Aus den freiwilligen Meldungen werden in der Regel pro Klasse 7 Kinder (möglichst heterogen) ausgelost. Die Ausbildung dauert ein halbes Jahr und umfasst zwei Unterrichtsstunden pro Woche. Im ersten Halbjahr des vierten Schuljahres wird  die Arbeitsgemeinschaft noch weiter fortgesetzt, um die Kinder in ihrer Arbeit weiter zu begleiten. 

 

Inhalte sind u.a.:

► Wiederholung/Festigung des Klassenprogramms

►Schreiben von Streitgeschichten

► Bilderbücher: z.B. „Die Kinderbrücke“; „Der Seelenvogel“, „Frag mich!“; „ Karni und Nickel“

► Gefühle wahrnehmen, Gefühle äußern (Jeder ist anders, jeder fühlt anders)

► Gutes Zuhören und „Spiegeln“

► Sprache ohne Worte und Spiele zur nonverbalen Kommunikation

►Was ist Schlichtung?, Wie kommt Schlichtung zustande?, Ziel einer Schlichtung,

   Wie müssen Schlichter sein und was müssen sie können?

► Lösungsmöglichkeiten für verschiedene Konflikte finden

► Die vier Schritte auf der Friedensbrücke (Regeln, Standpunkte austauschen,

   Lösungen, Abkommen)

►Erste Hilfe im Streit (verkürzte Form der „Großen Streitschlichtung“)

   ð Büchlein basteln, immer wieder Übungen in Dreiergruppen

► Übungen: z.B. An welche Regel erinnerst du als Streitschlichter? Lösungsvorschläge

   zusammenfassen, Friedensvertrag schreiben/Abkommen beurteilen

► Lieder, Spiele (z.B. Pantomime), Geschichten, Gedichte, Sonnendusche

► Basteln (Herzen, Tauben, Stabpuppen, etc.)

 

Am Ende der Ausbildung zeigen die Kinder im Rahmen eines Tests, was sie gelernt haben. Dabei dürfen sie mit ihrem Teampartner zusammenarbeiten.

 

Mit dem 4. Schuljahr beginnt für die Streitschlichter der Dienst im Schulalltag.

Jeden Tag ist ein anderes Zweierteam an der Reihe, um in den Pausen auf dem Schulhof den Lehrer zu unterstützen, Streitigkeiten zu klären. Dies umfasst auch den Bereich des Offenen Ganztages. Kinder, die sich gestritten haben, können bei einem Team eine Streitschlichtung anmelden. Bei Schwierigkeiten steht ihnen eine betreuende Lehrkraft unterstützend zur Seite.

 

Auszeichnung der Streitschlichter

 

 

Klassensprecher

Jede Klasse wählt zu Beginn des Schuljahres einen Klassensprecher und seinen Vertreter. Diese haben zunächst die Aufgabe, die bestehenden Schul- und Klassenregeln (des letzten Schuljahres) zu evaluieren und gegebenenfalls zu verändern. Diese Änderungsvorschläge werden dann im ersten Schülerparlament vorgetragen und gemeinsam überarbeitet und verabschiedet.

Hellwegschule  |  Email: hellwegschule@grhe.schulen-hamm.de